Samstag, 16. Dezember 2017

Mann mit Hut


Herr Schalupke erkannte den Mann. Es war der Mann mit Hut, dem er auf dem Mond begegnet war. Im Traum.
"Ja, bitte?", lächelte er.
"Die gehören mir", sagte der Mann mit Hut. Zeigte auf die Pflaumensterne, die über dem Tisch schwebten oder in der Kiepe neben der Bank schimmerten.

Ludwig Janssen © 16.12.2017


Donnerstag, 14. Dezember 2017

Eine Leiter zum Mond


Auch der Fuchs, mittlerweile am Waldrand angelangt, wandte sich um. Auch seine Augen leuchteten grün aus dessen Dunkel. Das Huhn hüpfte auf die Bank:
"P°ck!"
"Entschuldigung?"
Ein Mann stand neben Herrn Schalupke. Hielt mit der einen Hand eine Leiter. Die reichte bis zum Mond.

Ludwig Janssen © 14.12.2017

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Und ein Kind

Mit freundlicher Genehmigung von Rittiner&Gomez, Spiez, CH

Tarik! Stand da! Einfach … da! Lehnte sich an Millas Seite, die aus ihrer Erinnerung schrak und beinahe den Kochlöffel hätte fallen lassen.
„Tarik!“
Er lächelte.
„Junge! Wie kommst du hierher? Und – wo hast du gesteckt? Ich war bei …“
„Du hast nach mir gesucht, Milla?“
„Ja, natürlich, ich …“
„Dann freust du dich, dass ich so einfach zu dir reinspaziert bin? Die Tür war nicht abgeschlossen, und da …“
Milla schloss den Jungen in ihre mehlbestaubten Arme und drückte ihn an sich:
„Oh, entschuldige bitte, aber ich freu‘ mich so!“
Milla nahm den Jungen bei den Schultern und musterte ihn. Da kam der Bursche so einfach zu ihr in die Backstube und sie hatte ihn weit entfernt geglaubt, weit entfernt und verloren.
„Wo warst du, Tarik?“
„Jetzt bin ich bei dir, Milla!“ Tariks Augen strahlten Milla entgegen und sein entwaffnend mildes Lächeln blieb, als Tarik den Kopf zur Seite wandte:
„Jetzt bin ich ja da, bei dir, und, machst du da etwas mit Pflaumen?“
Milla verstand, dass Tarik sich nicht erklären mochte. Froh, dass er wieder zu ihr gefunden hatte, lud sie ihn ein zum Essen und tischte in ihrer Küche für den kleinen Jungen auf. Der wirkte auch recht hungrig und griff zu. Aß ein Brot mit Käse, trank Kakao, den Milla ihm frisch kochte und machte sich bereit, der Geschichte zu lauschen, die Milla ihm zu der in der Backstube entstehenden Torte zu erzählen begann.

„Ach, der Boden, der Boden!“, sprang Milla auf und eilte in die Backstube.

„Gerade noch einmal gut gegangen …“, kam sie zurück, ließ sich mit einem leisen Seufzer der Erleichterung am Küchentisch nieder. Ob der Seufzer der Rettung des Tortenbodens oder dem Wiedersehen mit Tarik galt, blieb offen.

Augen, die schimmern


"Öha!"
Herr Schalupke, gerade noch vom Knall erschrocken, sah den Fuchs. Der jagte den auf den Waldrand zu treibenden Funken nach. Ein paar fing er und fraß sie.
Sein Huhn kam zurück. Ließ tüü! das Köpfchen hängen.
Die Katze schaute ihn an aus Augen, die nun grünlich schimmerten.

Ludwig Janssen © 13.12.2017


Dienstag, 12. Dezember 2017

Hühner flattern


"Pock, pooock!" lief das Huhn ihnen nach. Flatterte aufgeregt mit den Flügeln. Wirbelte so die im Gras schimmernden Funken auf und konnte nicht einen erwischen. Die Katze haschte sich einen nach dem anderen aus der Luft und verschlang ihn. Der Fuchs schoss aus dem Gebüsch hervor.

Ludwig Janssen © 12.12.2017

Montag, 11. Dezember 2017

Funken tanzen


PAM!!!
Krachend barst der Stern unter dem Hammer und die schimmernden Würmchen, eben noch eng umschlungen, stoben in alle Himmelsrichtungen davon, Funken, tanzten durch die Luft, schwebten davon. Gingen in der Wiese nieder, in den Sträuchern, schwebten weiter zum nahen Waldrand.


Ludwig Janssen © 11.12. 2017

Sonntag, 10. Dezember 2017

Kobaltblaues Schweigen


das Meer, das Meer, das kobalt
blau und schwer sich wiegt und
weitet Stund um Stund und dann
verebbt, ganz still, im Bild
sein will und bleibt, es schweigt
ganz dem Betrachter zugeneigt
sieht man es liegen, wartet, fragt
was uns der Künstler damit sagt
doch der schweigt ebenfalls zu
frieden ruht sein Blick hier auf
dem Bild und lässt ihm seinen
freien kobaltblauen Lauf …

Ludwig Janssen © 6. 12. 2017


Zur Quelle der Inspiration

Innehalten, und dann …


Selten schön! Herr Schalupke lauschte dem Schwingen des Sterns nach, das, gleich dem Flügelschlag eines Schwans, durch die Morgendämmerung schnitt.
"Tüüü..."
Das Huhn hatte Hunger.
Eine Katze sprang auf die Bank und schaute ihn aus schwarzen Augen an.
"P°ck?"
Schalupke schlug zu.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

So ganz ohne … und die Pflicht

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner&Gomez, Spiez, CH


Milla Cremeso zog die Ladentür hinter sich ins Schloss. Mit allem hatte sie gerechnet, nur nicht damit, dass es in den Notunterkünften am Rande des Dorfs keinen Tarik gab. Gab … geben sollte? War der freundliche Sozialarbeiter der Stadt vielleicht nur schlecht informiert?

Ruhetag. Und doch keine Ruhe. Dazu noch der zu erfüllende Auftrag, und der Termin der bevorstehenden Verlobung war nicht mehr weit. Betrübt machte Milla sich auf den Weg in ihre Backstube. Dort herrschte Ordnung. Alles blitzeblank, alles an seinem Platz. Das Weiß der Arbeitsplatte lud Milla ein, den ersten Wurf ins kreative Tüfteln zu tun. Sie trat heran, griff sich Mehl, Eier, Rührschüssel und Mixer, Zucker, Vanillin, Backpulver, Speisestärke, das Salztöpfchen. Einen Anfang machen, beginnen, dann würde sich alles Weitere ergeben.

Alles Weitere ergeben. Beginnen. Milla konnte sich an kein Rezept erinnern, in dem von Tortencreme aus Pflaumen die Rede gewesen war. Blechkuchen mit Pflaumen – die Rezepte waren Legion. Beginnen … innen sah es ganz anders aus. Ob sie nicht besser doch allein zu den Fremden gegangen wäre, nachgefragt hätte? Warum nur hatte sie nicht den Weg über die Straße genommen? Hin zu den Wohncontainern. Die letzten Meter gehen, die letzten, die letzten? Die letzten Meter eines Irrtums hin zu einer Enttäuschung. Einer Selbsttäuschung, vielleicht, der sie, Milla, aufgesessen war.

Der Tortenboden aus Biskuitteig entstand wie nebenher und wölbte sich im Backofen wie ein atmendes Tier der Vollendung entgegen. Pflaumen, wir sind doch keine Pflaumen! Die junge Frau hatte sich vehement gegen diesen Vergleich verwehrt. Wehr. Was war bedrohlich an einem Vergleich mit Pflaumen? In China, so hatte Milla gelesen, galt der Pflaumenbaum als Baum der Erkenntnis. Und im vorderen Orient sollte, las sie, die Pflaume symbolisch für Unberührtheit stehen und sogar als Glückssymbol gelten. Die im Kulturkreis der jungen Frau abwertende Zuschreibung Pflaume für einen Menschen mochte hier Auslöser sein für die heftige Abwehr.

Der vordere Orient, also auch Syrien, also auch Tarik. Wo mochte der Junge nur stecken, und, das bedrängte Milla noch viel mehr, wie mochte es ihm ergehen, jetzt, irgendwo da draußen? Pflaumen. ‚Milla, reiß dich zusammen‘, dachte sie und versuchte, sich auf den Auftrag zu konzentrieren. Die Creme! Die sollte eine mit Pflaumen sein. Und doch, nein, lieber keine Stücke, keine Fasern. Aber wie? Und überhaupt, so, wie sich die junge Frau dermaßen zur Wehr gesetzt hatte gegen die Pflaume als zentrales Thema der Torte, die nicht nur dem Geschmackssinn des Paares, sondern auch jedem unbeteiligten Gaumen das Bild der jungen Liebe wachrufen sollte. Dürfte sie, Milla, das ignorieren? ‚Tarik ist jetzt irgendwo da draußen. Vielleicht braucht er meine Hilfe‘. Tarik, er hatte ihr zugehört. Ohne Vorbehalte. Hatte gelten lassen, was sie an Bildern zu ihren Torten entwarf. Milla stieg in den Keller hinab und holte sich ein Glas eingeweckte Pflaumen, gab den Inhalt in einen Topf, erwärmte die Pflaumen und passierte sie durch ein Sieb.

Der Duft süßer Pflaumen erfüllte den Raum. Sommer, Spätsommer. Blauer Himmel. Der Wind wispert im Laub des alten Baumes, eine jugendliche Milla kostet eine reife Pflaume und spürt den Saft der süßen Frucht ihr Kinn hinabrinnen.

„Etwas mit Pflaumen?“


Mittwoch, 6. Dezember 2017

Sterne und Walnüsse


Oft schon hatte er so für sein Huhn Walnüsse geknackt und seine Freude daran gehabt, wie es emsig pickend umherlief. Zurück am Tisch nahm er Maß, tickte den Stern mit dem Fäustel an und ... PING! Glockenreiner Klang. Die Würmchen in seinem Innern, die sich wanden und schimmerten.