Montag, 12. Juni 2017

sich wiegend: sonstn ich ts


Heute liegt nur mehr Meer, sonst nichts an
gesichts des Fehlens eines Betrachters an.
Kein Frachter, beladen mit irgendetwas, ein
er Projektion vielleicht, tuckert, läuft ein.
Kein Vogel - und das Meer sich selbst Konjunkt
Ion, ein: Flut und Ebbe enden hier, an diesem .

Ludwig Janssen © 12.6.2017

Freitag, 9. Juni 2017

Suchmaschinen, Vögel und die Katz

Ich habe eine neue Suchmaschine. Sie steht nie in der Ecke herum, und dass ich sie eigentlich noch nie zu sehen bekam, liegt schlicht daran, dass sie immer auf der Suche ist. Vielleicht nach mir, ich weiß es nicht. Ich dagegen bin auf der Suche nach Antworten, doch, ja, eigentlich auf der Suche nach neuen Fragen.

Da gehe ich voraus, ihr, der Suchmaschine, und schicke sie los, von wo auch immer, über ein, zwei Klicks, lautlos wie auf Katzenpfoten. 

Mir kommt in den Sinn, dass eine Frau mir erzählte, dass ihre Katze die Vögel vom Dach holte, auf das sie über die Dachluke hinaus ihre Ausflüge unternahm. Seltsam. Eine Katze, die ausfliegt, dann ein Vogel, der da liegt. Wie eine Antwort da liegt und über kurz oder lang zu stinken beginnt, Fliegenmaden im Bauch. Die wiederum fliegen, entpuppt zu geflügelten Wesen, auf - und davon, auf der Suche nach Werweißwas, Nahrung, Paarung und Aas. 

Gerade so, als wären Antworten auf Fragen wie tote Vögel, von der Katze gefangen, frisch vom Dach der Welt weg - und die Fragen, die sich aus beantworteten Fragen ergeben, nicht viel mehr als Fliegen auf der Suche nach längst Verstorbenem. Hm ... Schon fühle ich mich auf einem Dach sitzen, dass die Fragen und die Vögel ... Oh! Auf meinem Schoß schläft schnurrend die Katz.

Ludwig Janssen © 9.6.2017

Sonntag, 21. Mai 2017

... von mir


in kiel ist das wasser
salzig, falls ich
mit den möwen ziehe
leise, kreise
von hori bis zont

weht der wind von süden
trocken, hocken
auf der kaimauer du
und ein hund
schaun der ostsee zu

falls ich, salzig
wiederkehre nach kiel
grüßen zu füßen
des hundes und dir
herang und hering



Ludwig Janssen © 21.5.2017


Mittwoch, 17. Mai 2017

zu negativ, sagen sie

schwarze milch schweißearze milch schwarze milch schwarze milch schwlakritze milch schwarze milch

Philosophie


Ich lege ein Ei
in die schmale Mondsichel
und warte am Fluss


Ludwig Janssen © 11.10.2002

Samstag, 13. Mai 2017

Ohne Kopfzeile: Eine widersprüchliche Verbindung


ich
habe 

entzug
eine vorüber gehende
erscheinung
zugvögel
lichter gestalt
kernspaltung 
heim
weh



Ludwig Janssen © 11.4.2009

Freitag, 12. Mai 2017

Joutsen!

Was weiß ich schon von Finnland?

Nun gut, ans Ohr halte ich mir das Produkt einer finnischen Firma, es könnte sich der Firma und dem Namen nach auch um Klopapier oder einen Fahrradreifen handeln.
Doch dann würden zumindest längere Unterhaltungen zu Recht die besorgten Blicke meiner Umgebung auf sich ziehen.

Auch warte ich seit der Einführung des Euro darauf, dass mir ein Paar silberner Schwäne in die Finger kommt. Diese Münze allein bringt diesem Land im Kaltikum schon Sympathiepunkte ein. Da ist zum einen die Perspektive. Nicht von oben herab, nicht von unten über Kimme und Korn anvisiert – nein, auf Augenhöhe kommen sie daher und ich spüre: Die Finnen bringen damit nicht eine profane Vorliebe für Geflügelbraten zum Ausdruck. Nein – das ist ein Blick über die Schulter, der den Betrachter selbst in die kühle Nordluft hebt! Den Finnen wird der pfeifende Flügelschlag der Schwäne vorgeschwebt haben, der unbeirrbare Zug in Brut- und Winterquartiere. Das Timbre ihrer Rufe, die sowohl aus kristallklarem Himmelblau wie durch zähe Nebelnächte vom Ohr direkt in den Bauch finden.

Ob sich in dieser Wahl jener Hang zur Schwermut ausdrückt, den man den Finnen nachsagt? Wer denkt schon beim Anblick fliegender Schwäne an Finnland? Doch wem steigt nicht deren wildes, verlorenes Rufen in den Sinn beim Anblick des finnischen Euros?
Nach wem sollten sie rufen, wenn nicht nach ihren Gefährten, Suche, Zuspruch, Bestätigung. Und Geschichten werden sie sich erzählen, die finnischen Schwäne, dass die Nacht nicht so schwarz, der Weg nicht so weit und die Luft nicht so kalt scheint. Vielleicht erzählen sie sich von Mauri Kunnas und dem Korvatunturi.

Mauri Kunnas – er brachte Finnland in meine Familie! Und wenn es auch nur ein kleines Stückchen war, so reichte es doch für ein weißes Band der Sympathie.
„Joulupukki“, so der finnische Originaltitel, hielt als „Wo der Weihnachtsmann wohnt“ alle Jahre wieder mit Beginn der Adventszeit, Einzug auf das Kuschelsofa meiner Kinder und mir - mit seinen detailreichen, liebevoll gezeichneten Wichteln und dem süßen Haferbrei von Frau Weihnachtsmann. Versetzte unser abendliches Wohnzimmer mitsamt seiner drei Passagiere auf einen unbekannten Inselberg in den hohen Norden Lapplands, mitten in das Dorf des Weihnachtsmanns. Korvatunturi heißt dieser märchenhafte Ort, der meinen Kindern große, staunende Augen und offene Münder bescherte. Der sie empfänglich machte für den Zauber der Weihnachtszeit, wenn Papa Zeit hatte, das Teelicht auf dem Tisch Licht und Schatten in den Raum flackerte und der Duft von süßem Haferbrei erfüllte den Raum. Ja, der süße Haferbrei von Frau Weihnachtsmann, den sie den Wichteln zum Frühstück zubereitet – von uns Wichtelbrei genannt und während der allabendlichen Vorlesestunde zelebriert wie in unserer Phantasie andernorts Teezeremonie oder andere exotische Rituale. Ein kleines, nur in der Phantasie existierendes Dorf am Korvatunturi, in internetloser Zeit ein Punkt im roten Autoatlas an der finnisch-russischen Grenze, kopiert und ins Buch geklebt, wurde für uns drei damals wie heute das wärmste, zauberhafteste Stückchen Finnland überhaupt. Gerade eben antwortet mein Sohn, über die Schulter gefragt, was ihm spontan zu Finnland einfalle, mit der Reihe Mika Häkkinen, Nokia (da ist er sich nicht sicher), dem blauen Kreuz auf weißem Grund und dass die Sprache seltsam klingt. Schließlich ist er inzwischen zweiundzwanzig. Auf die Frage, wo der Weihnachtsmann wohnt, antwortet er jedoch, wie aus der Pistole geschossen: Korvatunturi, irgendwo in Lappland, ein Berg… Na, wer sagt’s denn, Mauri Kunnas!

Er wird dieses Buch seinen Kindern vorlesen, später, wenn es uns beide schon nicht mehr gibt.
Schließlich stelle ich mir Finnland als ein Land mit einer stillen, unauslöschlichen Grenze vor, einer Grenze, die weniger Demarkationslinie ist als der fein gewebte Übergang von einer Wirklichkeit in die andere, vom gewohnten Wechsel der Tageszeiten hin zur langen Polarnacht und ihrem ebenso langatmigen Bruder. Oder sind die beiden gar nicht Geschwister, sondern ein altes Ehepaar?
Ich frage mich, ob diese transluzente Grenze um den Nördlichen Polarkreis die Menschen im Norden Finnlands von denen des Südens unterscheidet. Schließlich werden unser Denken und Fühlen, unser Realitätsbegriff und unser Sehnen durch die Wirklichkeit um uns geprägt. Und schon bin ich wieder bei den Schwänen. Sicherlich sind es Singschwäne. Wer immer entschied, dass sie den finnischen Euro zieren sollen, er wählte gefiederte, ausdauernde Boten aus, die beständig und ohne Hast zwischen diesen Welten pendeln, Wandel wie Beständigkeit zugleich im Sommer an den finnischen und im Winter auch an den deutschen Himmel zeichnen.

Allein der Schlag ihrer Schwingen lässt aufhorchen, schneidet die Luft zu Klangraum. Ob ich ein wenig finnische Seele spüre, wenn ein Schwanenpaar über mich hinweg pfeift? Treue? Gleiten und Watscheln – zwei Seelen in einer Brust, vollkommen nur in den beiden Elementen Wasser und Luft, die anderen mit Beschwernis und Herdfeuer aufwartend? Zwei Seelen in einer Brust, das wird eng, das seufzt, da sehnt sich immer eine von beiden nach Raum und Heimat. Die Finnen sollen schwermütig sein? Was wundert es bei einem Volk, das sich in fliegenden Singschwänen über einer Seenlandschaft wiedererkennt …

Das also weiß ich von Finnland. Oder auch nicht.

Ludwig Janssen © 30.8.2006

Donnerstag, 11. Mai 2017

Pulsen


Vor mir so weiß die Wand, so weit
das Land Phantasiens weich, bereit
das Linnen, Gedanken spinnen
schlingen sich und mein Sinnen
zum Kokon, spürst du ihn schon, dich
in ihm, mich um dich sicherlich
Würde ich das im Leben nie wagen

dir zu sagen, dass ich deinen Hals
jedenfalls spüren möchte an meinem
dort, wo die Schlagader pulst immerfort
das Leben seiner eigenen beben, los
gelassen so gerade eben, dass sie Zwie
sprache führten und wir, auch wenn
wir uns nicht küssten, wüssten nicht mehr

als das, was in unseren Ohren rauschte
mein Pochen lauschte dem deinen
dem feinen, das ich ahne unter Alabaster
weiß in diesem klopfenden Strang
deinen verletzlichen Hals entlang
heiß ginge dein Blut und alles wär’ gut
als wäre nichts gewesen als Umarmen
wär’ alles gut, einen Atemzug lang

Würde der dir genügen, wenn ich nur schriebe
nicht ahnend, was davon bliebe, ein wenig
reichen an deinen, den weichen, pulsenden
und sich aus deinem Bauch von deinem Lesen
meines Wesens her auch an mich schmiegen
wie gern ich es sagen wollte und nicht tat
könnte ich das verstehen, mich darin wiegen
… oder wär’ ich zu hart?


Ludwig Janssen © 21.6.2008

Dienstag, 9. Mai 2017

michad


am seidnen Fohm
a Schpinnal beimld
obi und oba
zu dia

du mogst deine Augn zou
holtst dein Oomd o
denkst wohl, ’s kamed
von mia



Ludwig Janssen © 19.9.2005

Mondlicht



sein Licht hat der Mond
von einer fernen Sonne
wie weise Männer


Ludwig Janssen © August 2002